KAPITEL
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Die neue Serie „Brown Girls“ stellt queere Women of Color in den Fokus

Dass die neue Webserie „Brown Girls“, die am 15. Februar online geht, jetzt schon mit „Broad City“ und „Girls“ verglichen wird, liegt vor allem daran, dass es bisher so wenige, authentische Darstellungen vom alltäglichen Leben jungen Frauen gibt. Aber tatsächlich steht die neue Webserie, die Regisseurin Sam Bailey und Drehbuchautorin Fatimah Asghar aus Chicago zusammen mit ihren Freund*innen gedreht haben, ganz für sich allein. Es ist eine witzige, durchdachte, authentische und vor allem sehr liebevolle Darstellung des Alltags junger und queerer Women of Color in der amerikanischen Großstadt.

In circa 15-minütigen Folgen werden wir mitgenommen in den Alltag von Leila, Patricia und ihren Freund*innen, die sich in Chicago eigentlich mit den typischen Millenial-Struggles herumschlagen. Leila, mit südasiatischen Wurzeln, entdeckt gerade ihre Queerness und möchte Autorin werden, Patricia ist Afroamerikanerin, jobbt im Coffeeshop, aber möchte eigentlich Musikerin sein und schlägt sich mit Bindungsproblemen jeder Art herum. In jeder Folge ist der Fokus auf einer anderen Problematik der Freundinnen – Liebe, Sex, Freundschaft, Familie, Herkunft. Was dabei vorherrscht, ist das Gefühl von Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt.

Ich habe der Regisseurin Sam Bailey ein paar Fragen zur Serie gestellt.

Wenn du über die Serie sprichst, betonst du immer, dass es eine Produktion von und für junge Women of Color und queere Personen ist. Leider haben People of Color und queere Personen immer noch große Probleme, im Filmbusiness sichtbarer zu werden. Was ist dein Rat an diese jungen Filmemacher*innen?

Ich denke, Filme zu machen kann sehr entmutigend sein, weil es so exklusiv wirkt. Man braucht Geld, Equipment, Connections, usw. Wenn man keinen guten Ausgangspunkt hat, ist es sehr unheimlich, das in Angriff zu nehmen. Nichts desto trotz glaube ich fest daran, dass der einzige Weg, deine Geschichte zu erzählen, darin besteht, es selbst zu machen. Koste es, was es wolle. Dafür kannst du mit anderen Künstler*innen zusammenarbeiten, mit denen du dieselben Vibes teilst, du kannst Crowdfunding nutzen – oder du filmst es einfach auf deinem Smartphone. Egal wie – mach es einfach! Dafür können wir das Internet und Plattformen wie Vimeo und Tumblr nutzen – das gilt ganz besonders für Geschichten, die sich mit Randgruppen jeder Art auseinandersetzen. Auf diese Art kann man sein Publikum erreichen und die eigene Geschichte erzählen, ohne dass man auf die Erlaubnis einer Person im Anzug angewiesen ist. Du brauchst diese Erlaubnis nicht!

Wie sehr beruhen die täglichen Kämpfe der Charaktere auf dem Leben von dir und der Drehbuchautorin Fatimah Asghar?

Die Hauptcharaktere basieren direkt auf der Beziehung zwischen Fatimah und ihrer besten Freundin Jamila Woods, die für Brown Girls die Musik ausgesucht hat. Das bezieht auch alle Charaktere im Umfeld der Protagonistinnen mit ein. Ich war so gespannt, die Serie zu drehen und zu produzieren, weil die Erlebnisse der Charaktere sich so sehr mit meinem eigenen Leben überlappen. Wir nutzen viele unserer eigenen Erfahrungen als Stoff für die Serie, ohne dass die Figuren exakte Kopien von uns darstellen. Sie sind eher Erweiterungen von uns.

Ihr habt das Format der Webserie gewählt, also ist das Internet ein sehr großer Teil eurer Arbeit. In letzter Zeit ist das Internet zu einem sehr janusköpfigen Medium geworden: Mit Fakenews, Hatespeech und rassistischen Twitter-Bots auf der einen Seite und Netzaktivismus und weltweiter Solidarität und Widerstand auf der anderen. Was ist dein Gefühl gegenüber dieser Evolution des Internets? Ist es für dich immer noch ein Ort des Empowerments oder hat der Hass Überhand genommen?

Das Internet ist ein sehr interessanter Ort für mich. Es stimmt, dass es eine große Plattform für Hatespeech, Negativität und Fanatismus bietet. Aber ich glaube auch daran, dass es uns stärker zusammenbringt als je zuvor. In den Mainstream-Medien gibt es kaum Geschichten, mit denen ich mich identifizieren kann, deswegen habe ich schon immer im Internet nach meiner Repräsentation gesucht. Ich empfinde es als sehr bestärkend, dass ich etwas Kreatives schaffen und es mithilfe des Internets direkt raus in die Welt schicken kann. Aber ich empfinde es auch als gruselig und riskant. Komisch, oder? Ich fühle mich im Internet zu gleichen Teilen gestärkt und verängstigt.

Tragischerweise bekommt die Serie mit den aktuellen Ereignissen in Amerika eine ganz neue Relevanz und Bedeutung. Was ist deine Message an junge People of Color und queere Personen, die sich schwer damit tun, die Hoffnung nicht aufzugeben?

Das ist eine schwierige Frage, weil ich damit momentan selbst meine Probleme habe. Es ist sehr schwierig, diese beiden Sachen unter einen Hut zu kriegen: Diese Freude und Aufregung, die ich gerade wegen der Premiere der Serie habe – und die Tatsache, dass wir mit „Brown Girls“ jedes einzelne Kriterium erfüllen, dass die neue Regierung attackiert. Das ist verdammt gruselig. Aber trotz allem sind das Gefühle, die ich schon kenne, weil sie irgendwie dazu gehören, wenn man eine schwarze Frau in Amerika ist. Ich habe mich hier nie wirklich sicher oder respektiert gefühlt, jetzt passiert nur alles im größeren Rahmen. Aber obwohl all das passiert, habe ich das Gefühl, dass unsere Arbeit und die Beziehungen, die uns zusammenhalten, mehr Relevanz haben. Ich denke, meine Message lautet also: Haltet durch, passt auf euch auf, umgebt euch mit Menschen, die eure Lage verstehen und – am allerwichtigsten – macht euch bewusst, dass ihr nicht alleine seid! Ich habe das Gefühl, dass meine Community durch die aktuellen Ereignisse nur noch stärker geworden ist, und die Tage, an denen ich mich schwach fühle, bringen mich zum Weitermachen. Such‘ dir deine Community, finde deine Leute!

Text: Johanna Warda
Bild: Megan Lee Miller

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