KAPITEL
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BILDET BANDEN!

Immer nur dieselbe (Hetero-)Heldenreise im Kino zu sehen, kann einfach nicht alles sein. Das dachten sich die Initator*innen der LESBISCH SCHWULEN FILMTAGE HAMBURG bereits vor über 25 Jahren. Seitdem stellen sie jedes Jahr im Herbst ein queeres Filmprogramm auf die Beine. Das Team setzt sich zwar immer wieder neu zusammen, die Visionen ändern sich dabei nicht: Auch in diesem Jahr erwarten die Besucher*innen außergewöhnliche und mutige Filme, nach denen man im Mainstreamkino vergeblich suchen muss.

Im Büro der Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg herrscht reger Betrieb. Die letzten Vorbereitungen für die 27. Ausgabe des queeren Festivals laufen auf Hochtouren. Auch dieses Jahr werden rund 15.000 Besucher*innen zu Deutschlands ältestem und größtem Filmfestival, das sich im Europavergleich den ersten Platz mit London teilt, erwartet. Als die Lesbisch Schwulen Filmtage 1990 aus einem Uniseminar heraus gegründet wurden, ahnte sicher noch niemand, welche Erfolgsgeschichte die Initiative schreiben würde.

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Isabelle Huppert in „Alles was kommt“

Das Team von damals hat sich längst aufgelöst. Aber jedes Jahr stellt sich eine neue ambitionierte Gruppe zusammen, die gemeinsam die interessantesten queeren Filme des  Jahres sichtet und auswählt. Ein durch und durch demokratischer Prozess, denn jede*r im Team darf mit darüber abstimmen, welcher Film in das Programm aufgenommen wird. Dabei ist es den Veranstalter*innen wichtig, dass es ein ausgewogenes Verhältnis an lesbischen, schwulen und Transgender-Filmen gibt. Das ist gar nicht so einfach, denn es gibt immer wieder Jahre, in denen es an Streifen mit lesbischem oder transsexuellem Inhalt mangelt. Doch das Team lässt nicht locker und recherchiert so lange, bis genügend Geschichten aus allen Bereichen gefunden sind. Neben Filmen mit lesbischen Inhalten, sind auch feministische Beiträge fester Bestandteil des Programms.

Am 18. Oktober fällt mit der Eröffnungsgala auf Kampnagel der Startschuss für rund 130 Filme, die an sechs Festivaltagen in unterschiedlichen Hamburger Kinos gezeigt werden.

In diesem Jahr hat sich das Filmfest drei großen Themenkomplexen verschrieben: Neben Beiträgen zum Thema HIV liegt ein Schwerpunkt auf Sexualität jenseits der Heteronorm. Dabei umfasst die Filmauswahl auch pornografische Streifen, die allerdings viele gängige Porno-Klischees über den Haufen werfen, Sehgewohnheiten herausfordern und – natürlich – Diskussionen anregen.

Ein weiterer thematischer Fokus liegt 2016 auch auf dem Aufruf »Bildet Banden«. Dieser ist aus der Diskussion um Safe Spaces entstanden, die nach den Morden von Orlando wieder entfacht ist. Das Attentat, bei dem im Juni 49 Menschen in einem Schwulen-Club getötet wurden, ließ Fragen nach Solidarität in der queeren Community und auch nach der Bedrohung durch Homophobie laut werden. Es zeigte auch, dass Safe Spaces weiterhin wichtig und schützenswert sind.

Gleich eine ganze Reihe spannender Filme handelt von »Bandenbildung« ganz unterschiedlicher Art. Den Auftakt macht dabei der schwedische Eröffnungsfilm »Kiki« (Aufmacherbild), der den Zuschauer*innen die Welt der heutigen jungen Black LGBT-Community in New York City nahe bringt.

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Szene aus Ovarian Psychos

Auch im feministischen Beitrag »Ovarian Psychos« (USA) – zu Deutsch »Eierstock-Psychos« – geht es um eine Gang. Die Frauen mit dem blumigen Namen sind Aktivistinnen of Color aus East Los Angeles und anderen Arbeitervierteln. Gemeinsam stellen sie sich der Gewalt, die einige von ihnen erlebt haben.

 

 

Besonders freuen wir uns auch auf einen Beitrag aus Israel: Barash, der am 22. Oktober im Passage-Kino läuft und von LIBERTINE präsentiert wird.

Weitere Infos in der aktuellen LIBERTINE Printausgabe und unter www.lsf-hamburg.de

Text: HEIDI LINDSTRØM

 

 

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