KAPITEL
Die Taschendiebin 11

„Die Taschendiebin“: Freiheit, Macht und Liebe

Von der ersten Szene an überzeugt der Film „Die Taschendiebin“ mit seinen Frauenfiguren: Sie sind facettenreich, stark, entschlossen und schlau. Eine lesbische Beziehung wurde selten auf so kraftvolle Weise auf der großen Kinoleinwand gezeigt wie in Park Chan Wooks neuem Werk. Am 5. Januar kommt der Film in die deutschen Kinos.

Der koreanische Regisseur ist bekannt für seine epochalen Thriller und intensive Ästhetik („Oldboy“, „Lady Vengeance“) und führt uns mit seinem neuen Film „Die Taschendiebin“ in eine ungewöhnliche Szenerie: Er adaptierte Sarah Waters‘ Erfolgsroman „Solange du lügst“, der im viktorianischen England spielt, und verlegte ihn ins Korea der Dreißigerjahre, das damals unter japanischer Herrschaft stand. Von Täuschungsmanöver zu Täuschungsmanöver erzählt er die Geschichte zweier Frauen, die alles tun würden, um aus ihrer Situation zu entfliehen und sich dabei gegenseitig in die Quere kommen: Beim Versuch, die andere zu berauben, um sich selbst zu befreien, entdecken sie gemeinsam eine ganze neue Freiheit.

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Zwei junge Frauen, die von klein auf eine Rolle spielen mussten, die sie am Leben erhält: Hideko verbringt ihr ganzes Leben unter der Tyrannei ihres reichen Onkels in einem goldenen Käfig, alleingelassen, seit ihre Tante sich im Garten erhang. Und Sookee, die in ihrem jungen Alter schon zur Meisterdiebin geworden ist, weil es keine andere Perspektive für sie gibt. Sookee wird als persönliches Hausmädchen der jungen Lady Hideko in einem edlen Landhaus angestellt. Der Onkel der Lady, ein strenger und brutaler Tyrann, beherrscht das Haus und das Leben seiner Nichte. Doch Sookee hat ein Geheimnis und eine Mission: Sie ist eine Taschendiebin und schleust sich unter falscher Identität in das Anwesen, um ihrem jungen Komplizen, der sich als japanischer Graf ausgibt, beim Heiratsschwindel zu helfen und so Lady Hideko um ihren Besitz zu bringen. Sie wollen Hideko nach der Hochzeit als verrückt erklären lassen, sie in ein Irrenhaus abschieben und mit ihrem Vermögen verschwinden. Alles läuft scheinbar nach Plan, bis die beiden Frauen ihre Zuneigung zueinander entdecken – und sich herausstellt, dass nicht nur Sookee ein falsches Spiel spielt.

In „Die Taschendiebin“ ist nichts wie es scheint. Aufgeteilt in drei Teile beleuchtet der Film alle Irrungen und Wirrungen immer wieder neu – in vielen Rückblenden – und von verschiedenen Blickwinkeln und ergänzt sich immer wieder selbst um eine völlig neue Dimension. Mehrere unerwartete Wendungen mischen die Karten wieder neu, Sympathien und Machtpositionen wechseln die_taschendiebin_2ständig die Besitzer. Ein großes Thema des Films ist Macht: In kaum einer Szene wird niemand auf irgendeine Weise aus egoistischen Zwecken ausgebeutet, zumindest bis kurz vorm Ende des Films dreht sich alles um Machterhalt und Machtgewinn. Davon ausgenommen sind ausgerechnet die bewusst langen und detaillierten Sexszenen, die die weibliche Sexualität so schamlos und kraftvoll zeigen wie selten. Sex ist ein großes Thema, das in einem breiten Spektrum beleuchtet wird– von abstoßender Perversion bis hin zum ekstatischen Akt der Befreiung. Die vielleicht größte Kunst des Films ist aber sein schlauer Humor, der in den scheinbar unpassendsten Szenen plötzlich aufblitzt und die Stimmung noch mal um eine Facette bereichert.
Wie die meisten Filme von Park Chan Wook platzt auch „Die Taschendiebin“ fast vor Metaebenen, und die Plot-Twists kommen so überraschend, dass man am Ende paralysiert im Kinosessel auf die Credits starrt.

Die Bilder sind bis aufs kleinste Detail durchdacht: Vom Kostüm über das Set bis hin zur Beleuchtung wird jede Szene optisch gestützt, jedes einzelne Bild ist malerisch. Zusammen mit dem ausnahmslos überzeugenden Schauspiel des gesamten Casts entsteht ein absolut rundes Bild: Ein epochaler Film über Macht, Glück, Befreiung und Täuschung.

die-taschendiebin_posterwaters_solangeduluegstDie Taschendiebin basiert auf Sarah Waters‘ Erfolgsroman „Solange du lügst“, der im viktorianischen England spielt und als Buch und als E-Book im Verlag Krug & Schadenberg erschienen ist. Wir verlosen 1 x 2 Freikarten für »Die Taschendiebin« und 1 x ein Exemplar von »Solange du lügst«. Einfach bis 10. Januar eine Email mit dem Betreff „Die Taschendiebin“ an gewinnspiel@libertine-mag.com schicken. Viel Glück!

Text: Johanna Warda Fotos: Koch Films

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