KAPITEL
Szene Aus Girls Don't Fly

„Femmes totales“ – Vielfalt auf der Leinwand

Um gegen die männliche Überlegenheit in der Filmbranche anzukämpfen, zeigt die Münchner Verleiherin Monika Kijas nun im Rahmen der Filmreihe „Femmes totales“ fünf Filme von internationalen Regisseurinnen in den deutschen Kinos.

Vor vier Jahren gründete die Initiatorin den kleinen Verleih „eksystent“, dessen Fokus auf zeitgenössischem Kino von Frauen liegt. Weibliche Filmemacher scheinen zwar immer mehr öffentliche Anerkennung, Nominierungen und Preise auf weltweiten Festivals zu bekommen, allerdings schaffen es nur die wenigsten ihrer Werke auf die große Leinwand. Schuld daran ist neben Vorurteilen vor allem aber die fehlende Chancengleichheit innerhalb der Förderstrukturen.

Schon in den 1980er Jahren stellte man zwischen der im Grundgesetz genannten Gleichberechtigung der Geschlechter im Beruf und der tatsächlichen Realität in Deutschland eine große Diskrepanz fest. Die Benachteiligung von Frauen in der Medienbranche verschafft sich seit etwa fünf Jahren immer mehr Gehör. Eine Genderstudie deutscher Filmfestivals veröffentlichte in diesem Jahr ihre aufsehenerregenden Ergebnisse: nur 10 % der Kinofilme mit einem Budget ab 5 Mio. Euro werden von Frauen inszeniert. Die Studie betrachtete die Verteilung der Geschlechter im Hinblick auf Gattung, Lauflänge, Koproduktionsstatus, Programmierung als Wettbewerbsbeitrag, Gewinn eines Wettbewerbs, Geldwert der Preise Premierenstatus, Beitrag der Filmgeschichte, Beitrag einer Retrospektive und Hommage, sowie Herstellungsland und -jahr. Für weltweite Wirbel sorgte vor allem das Filmfestival in Cannes. Nachdem im Jahr 2012 22 Filme von 22 männlichen Regisseuren gezeigt wurden, schaffte es in diesem Jahr immerhin „Toni Erdmann“ der deutschen Filmemacherin Maren Ade auf die Leinwand der bedeutenden Filmfestspiele.

Der Zusammenschluss deutscher Regisseurinnen „Pro Quote Regie“ fordert eine klare Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Bis zum Jahr 2025 sollen 50 % der bundesweiten Filmfördermittel an Frauen gehen. Einen ersten Schritt in die richtige Richtung gehen deutsche Filmhochschulen, die sich ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zum Ziel gemacht haben. Denn die Werke von Frauen können genauso unterhaltsam, lustig, spannend, tiefgreifend und mitreißend sein. Im besten Fall sollte das Geschlecht des Regisseurs einfach völlig außer Acht gelassen werden. Monika Kijas von „Femmes totales“ geht es nämlich gar nicht um einen Vergleich. Sie möchte schlicht und einfach die Filme der ausgewählten Regisseurinnen erst einmal sichtbar machen.

Mit dem Mystery-Thriller „Hitzewelle“ zeigt die Filmreihe den ersten Spielfilm der Regisseurin Joyce A. Nashawati. Im Griechenland der nahen Zukunft bewacht der arabische Migrant Ashraf die Villa einer französischen Familie. Während die Hitze immer unerträglicher wird, breitet sich zunehmend Unbehagen in ihm auf und er beginnt sich zu fragen, ob die steigende Temperatur seine einzige Bedrohung ist.

In „Null Motivation“ erzählt Talya Lavie auf eine satirische Art und Weise vom Alltag der Frauen im israelischen Militärdienst.

Szene aus "Null Motivation"

Szene aus „Null Motivation“

Die besten Freundinnen Zohar und Daffi schlagen ihre Zeit mit Computerspielen tot und treten ihrer Chefin Rama alles andere als respektvoll und motiviert gegenüber. Mit ihrer kritischen Sichtweise auf die Bedeutung der Frau in der israelischen Armee gewann die Komödie den Hauptpreis des Tribeca Film Festivals.

Die Regisseurin Monika Grassl gewährt mit ihrer Dokumentation „Girls don’t fly – Träume vom Fliegen“ (Aufmacherbild) einen Einblick in die Eröffnung der ersten und einzigen Flugschule für Mädchen in Ghana. Den Schülerinnen bietet sich erstmals in ihrem Leben eine Chance auf Bildung. Doch sie lernen nicht nur das Fliegen, sondern auch den Umgang mit den strengen Methoden des westeuropäischen Ausbilders.

In „Geschichten aus Teheran“ widmet sich Rakshan Bani-Etemad dem Alltag von Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Sie alle vereint der Kampf für ein besseres Leben im Iran. Die ergreifende Erzählweise bekam beim Filmfestival in Venedig eine Auszeichnung für das beste Drehbuch.

Szene aus Yulas Welt

Szene aus Yulas Welt

Die Regisseurin Hanna Polak begleitete 14 Jahre lang ein junges Mädchen, die in der Nähe von Moskau auf der größten Müllhalde Europas lebt. „Yulas Welt“ ist geprägt von einer bitteren Realität inmitten von Dreck, Gewalt, Elend und Alkohol. Trotz dieser zermürbenden Umstände beeindruckt Yula mit ihrem Lebensmut und ihrer Unbeschwertheit.

 

Monika Kijas ausgewählte Werke für „Femmes totales“ sind in wechselnden Kinos in Deutschland zu sehen. Die bisherige Liste der teilnehmenden Kinos gibt es unter http://femmes-totales.de/kinofinder/

Außerdem gibt es alle fünf Filme der „Femmes Totales“-Reihe einzeln und  in einer Box. Hier geht es zum Shop.

 

Text: Lena Kammer Fotos: PR

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