KAPITEL
7 Goettinnen

Indische Heldinnenreise

Der Film „Zornige Indische Göttinnen“ ist eine kleine – und sehr schöne – Revolution in der indischen Kinolandschaft. Am 29. November erschien die DVD.

Mehr als sechs Jahre hat es gedauert, bis der indische Film „7 Göttinnen“ (auf DVD heißt er nun „Zornige Indische Göttinnen“) realisiert werden konnte. Anfragen bei Produktionsfirmen stießen immer wieder auf Ablehnung, die Begründung lautete dabei meistens, dass man einen Film nicht mit einer weiblichen Hauptrolle beginnen könne und sich für die Story kein Publikum finden würde.

Historisch gesehen standen immer dominante männliche Figuren im Zentrum des indischen Kinos. Traditionell hat das Land aber viele Sagen und Volksmärchen, in denen Frauen die Heldenrolle spielen. Auch die indische populäre Kultur ist voller Geschichten heroischer, weiblicher Charaktere, von Banditenköniginnen bis hin zu CEOs. Heutzutage sitzen so viele Frauen im Parlament in Indien wie in keinem anderen Land und nicht selten werden Unternehmen von Frauen geführt. Dennoch hat es mehr als 60 Jahre gedauert, bis das indische Kino Geschichten starker, weiblicher Figuren in den Mittelpunkt rückt.

Dank einer großen Portion Idealismus und viel Durchhaltevermögen hat es die Buddy-Komödie um sieben unterschiedliche indische Frauen doch noch auf die Leinwand geschafft und feierte 2015 Weltpremiere beim Toronto International Film Festival. Seitdem ist sie auf etlichen Filmfestspielen gelaufen und erscheint nun auch auf DVD und Blu-Ray.

Erzählt wird die Geschichte um eine Freundinnen-Clique, bestehend aus sieben sehr unterschiedlichen indischen Frauen – darunter beispielsweise eine toughe Geschäftsfrau, eine Umweltaktivistin und eine um Erfolg ringende Musikerin – die in Goa zusammenkommen. Und das nicht ohne Grund: Eine von ihnen, Freida, hat die gemeinsame Reise initiiert, um die anderen in ihre Hochzeitspläne einzuweihen. Während alle über die Identität des Bräutigams rätseln (der sich später als Braut herausstellt), beginnen die sieben jungen Frauen wild und ausgelassen über Gott und die Welt zu philosophieren – über Männer, Sex und ihre Karrieren, über ihre kleinen Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste.

Je mehr sie dabei von sich offenbaren, desto klarer wird ihnen, dass sie alle vom Leben nicht das bekommen haben, was sie sich erhofft hatten – in einem Land, in dem Traditionen und Männer das Sagen haben, sind ihre Träume irgendwann auf der Strecke geblieben. Die Frauen beginnen, gemeinsam Pläne zu schmieden, wie sie ihr bisheriges Leben ändern können. Doch sie ahnen nicht, dass ihre Gemeinschaft durch ein dramatisches Ereignis schon bald auf ganz andere Weise herausgefordert wird.

Die Geschichte entwickelt sich zu einer wilden Achterbahnfahrt der Emotionen und zu einem starken und bewegenden Statement, das nicht nur „gleiches Recht für alle“ einfordert, sondern auch für die Kraft von Freundschaft und Zusammenhalt und das Festhalten an eigenen Überzeugungen steht.
thea_winning

Dorothee von Winning hat ihr Faible für Mode und Kunst zum Beruf gemacht und widmet sich diesen Bereichen auf vielfältige Weise. So ist die Berlinerin einerseits für ARTE und den Norddeutschen Rundfunk als Kulturredakteurin tätig, andererseits kreiert sie mit ihrem Projekt BLÆNK MINDS Videoperformances.

Text Dorothee von Winning
Foto Jungle Book Entertainment Swapnil Sonawane
Dieser Artikel ist zuerst erschienen in Libertine Ausgabe 2.

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