KAPITEL
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VERLOSUNG: „Liebmann“ – Ein großes Flattern

Es sind die leisen Töne, die idyllische Atmosphäre der französischen Provinz und die große Schauspielkunst mit denen der Film überzeugt. In seinem Langspieldebüt „Liebmann“ erzählt Jules Herrmann die Geschichte von Trauer, Zerrissenheit und unerfüllter Liebe. Ab 26. Januar im Kino!

Viel ist es nicht, was wir vom Protagonist Antek Liebmann erfahren – denn er verrät nichts von sich, weder seinen Mitmenschen, noch uns. Nach einem kurzen, sehr poetischen Prolog, der bereits eine Thematisierung von Schock und Tod erahnen lässt, schauen wir dem jungen Lehrer zu, wie er ohne viel Gepäck in dem kleinen Dörfchen in Nordfrankreich ankommt, das er zu seinem Exil erkoren hat. Liebmann flüchtet vor etwas – das wird sehr schnell klar. Werden ihm von seinen neuen Nachbarn persönliche Fragen gestellt, umgeht er die Antworten, indem er scherzhaft so tut, als würde er nicht gut genug Französisch sprechen. Trotzdem lebt er sich nach einer Weile ein, macht gute Bekanntschaften, findet einen Job im ansässigen Trödelgeschäft und bandelt mit dem jungen Sébastien an. Doch: sobald es um ihn herum ruhig wird, wird es laut in ihm. Er kann nachts nicht schlafen, wandelt ziellos im Wald umher und betrinkt sich – etwas holt ihn immer wieder ein. Und so lange das passiert, bleibt ihm auch die Chance auf einen Neuanfang verwehrt – den Gefühlen zu Sébastien kann er nicht wirklich nachgeben. Dass im nahe gelegenen Wald innerhalb kurzer Zeit zwei Leichen gefunden werden, steigert Liebmanns Unruhe nur noch mehr. Als dann seine Schwester plötzlich vor der Tür steht und wir erfahren, was die Gründe seiner Zerrissenheit sind, fängt Liebmann langsam an, sich seinem Schmerz zu stellen.

Neben Godehard Gieses fesselndem Schauspiel ermöglichen auch sehr durchdachte visuelle Details einen vielschichtigen Blick in Liebmanns Seelenleben: Das Bild färbt sich rot, wenn Bilder der Vergangenheit Liebmann einholen, mal sehen wir schwarzweiß, mal blau – eine Darstellung von Unstetigkeit und Zerrissenheit mitten im sommerlichen Idyll. Dieser Kontrast aus der friedlichen Szenerie und Liebmanns lautem und düsterem inneren Konflikt erschafft eine intime Atmosphäre. Immer wieder werden etwas schrullig und unpassend daherkommende, imaginäre Zwischensequenzen eingeworfen, die mit dem Stil des restlichen Films brechen, etwas deplatziert wirken und die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren genauer beleuchten: Beispielsweise ein sehr poetischer Dialog der Geschwister über seelischen Schmerz, der der Beziehung zwischen Liebmann und seiner Schwester eine neue Nuance hinzufügt.

„Liebmann“ ist ein Film über Trauer und über die Unmöglichkeit, vor ihr zu fliehen. Selbst am friedlichsten Ort, den man sich vorstellen kann – in einem kleinen Örtchen in Nordfrankreich – findet Liebmann keine Erleichterung. Der genaue Grund seiner Zerrissenheit bleibt einen Großteil des Filmes im Dunkeln – aber er spielt letztlich auch keine große Rolle, denn der Fokus liegt auf Liebmanns Zerrissenheit und seinem ausdauernden Kampf, sich wieder aufzurichten und Frieden zu finden. Als Liebmanns Schwester ihn in dem kleinen Dorf aufsucht, erzählt sie von den fünf Phasen des Trauerns. Das ist wohl die passendste Umschreibung für das, was wir in diesen 1 1/2 Stunden beobachten.

Wir verlosen 2 x 2 Tickets für die große Berliner Preview am 23.1. im Kino International. Einfach bis 21. Januar (23.59 Uhr) eine Email mit dem Betreff „Liebmann“ an gewinnspiel@libertine-mag.com schicken. Viel Glück!

Text Johanna Warda
Foto missingFILMs

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