KAPITEL
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The deepest Thing

Sie liebt den dunklen, tiefen Sound und hat ein ausgeprägtes Faible für Frauen.  Kein Wunder, dass Ida Daugaard und Libertine ganz wunderbar zusammen passen und die dänische DJ regelmäßig auf den Libertine Release Parties auflegt. Wir haben uns mit ihr über die Unterpräsenz weiblicher DJs in der Technoszene und ihre Arbeit an den Turntables und als Model unterhalten.

JULIANE RUMP: Du arbeitest als Model und DJ – zwei Jobs für die man viel unterwegs ist. Wie schaffst du dir einen Ausgleich, was erdet dich?

IDA DAUGAARD: Ach, irgendwann gewöhnt man sich einfach daran, viel zu reisen. Allerdings mag ich es auch, einfach zu Hause zu sein und würde sagen, dass ich grundsätzlich eher ein geerdeter Mensch bin. Ich verbringe total gerne Zeit in meinem Sommerhaus in Kopenhagen. Ich liebe es tatsächlich, meinen Garten zu pflegen, Unkraut zu jäten und Gemüse anzubauen (lacht). In der Natur zu sein, macht mich glücklich und holt mich runter.

005JR: Du kommst aus Dänemark und legst auf der ganzen Welt auf. Warum hast du dir Berlin als Homebase ausgesucht?

ID: Die elektronische Musikszene in Berlin ist einfach die spannendste der Welt. Ich habe mich als DJ total weiterentwickelt, seit ich vor zwei Jahren hierher gezogen bin. Die Leute im Berliner Nachtleben sind sehr positiv, open-minded und interessiert an Musik. Mich spornt das an, immer besser zu werden.

JR: Wer elektronische Musik machen will, muss Technik beherrschen. Wie lange hat es gedauert, bist du soweit warst, in einem Club auflegen zu können? Hattest du eine Mentorin oder einen Mentor oder bist du Autodidakt?

ID: Ich habe mich vor etwa zehn Jahren in eine Frau verliebt, die mir eine Menge beigebracht hat. Sie ist eine großartige DJ, total inspirierend. Von ihr habe ich gelernt, wie ich perfekt live auflegen kann. Sie hat mir im ersten Jahr auch sehr dabei geholfen, mit den BPMs, also den Beats pro Minute klarzukommen. Das hat echt eine Weilegedauert, aber irgendwann hat es geklappt und wir fingen an, gemeinsam aufzulegen. Als DJ-Duo Knox & Skurk hatten wir dann eine Menge Spaß.

JR: Und wie würdest du deine heutige Musik beschreiben?

ID: Meine Sets haben zwei unterschiedliche Sounds: ich habe einen dark-deep-minimal-sound und einen chunkier-upbeat-tech-sound. Momentan arbeite ich an einer dritten Richtung, die langsam aber melodisch und deep ist. Mein Tesselate Mixtape ist mein erster Versuch in diesem neuen Genre.

JR: Wenn man sich in der Clublandschaft umschaut, scheint es mit Gleichberechtigung noch nicht so recht zu klappen. Weibliche DJs sind immer noch eine Rarität und oft wird eine Frau an den Turntables eher als hübscher Unterhaltungsfaktor gesehen anstatt als ernstzunehmende Künstlerin. Wie erlebst du das?

ID: Mir ist es schon passiert, dass Leute auf mich zukamen und meinten „für eine Frau legst du echt gut auf“. Zum Glück war das in den vergangenen sieben Jahren aber das ist eher die Ausnahme. Ich spiele überwiegend in Underground-Clubs und habe nicht das Gefühl, dass das Aussehen dort irgendeine Rolle spielt. Aber klar kommt es auch vor, dass mich Veranstalter wegen meiner Modelei anfragen. Deswegen checke ich vor jeder Buchung den Club und die Veranstaltung. Wenn das Soundprofil nicht zu meinem passt, sage ich ab. Die guten DJs, die ich kenne, sehen alle ganz natürlich aus. Die verbringen alle mehr Zeit an den Reglern oder im Plattenladen als vor dem Spiegel.

JR: Du arbeitest bereits seit über sieben Jahren als DJ – wie ist dein persönlicher Eindruck, hat sich in dieser Zeit etwas geändert? Ist der Stellenwert von Frauen im Techno gestiegen?

ID: Es gibt auf alle Fälle mehr weibliche DJs als vor sieben Jahren. Aber ich habe mir kürzlich die Resident Advisor Top 100 best DJ der Welt angesehen und war schockiert. Es sind nur vier Frauen und 96. Das ist wirklich unglaublich!

JR: Um weibliche DJs präsenter zu machen, gibt es inzwischen Veranstaltungsreihen, die ausschließlich Frauen buchen. Was hältst du von diesem Konzept? Ist so eine selbstgemachte Frauenquote notwendig?

ID: Ich finde, das ist eine sehr gute Idee., so lange das Talent über die Auswahl entscheidet. Ich gehöre einer Event-Reihe an, die sich Vier nennt und ziemlich erfolgreich läuft. Bei jeder Party legen vier gute weibliche DJs aus vier unterschiedlichenTeilen der Welt auf.

JR: Wie hast du es geschafft, dich als DJ zu etablieren? Irgendwelche Tipps für den Nachwuchs?

ID: Ich kann gar nicht genau sagen, wie das passiert ist. Eshat mich mehrere Jahre Zeit gekostet. Erst seit ich nachBerlin gekommen bin und mich verbessert habe, werde ich international gebucht. Mein Ratschlag ist: sei geduldigund lerne ohne Computer aufzulegen. Spiele mit Vinyl, damit du lernst, die richtigen BPMs selbst zu finden. Dannkannst du von allen DJs vor dir problemlos übernehmen. Und komme niemals mit einem Set, das du vorher zu 100% vorbereitet hast. Versuche lieber, dich auf die Menge einzulassen und die Stimmung aufzufangen.

JR: Und wo auf der Welt werden zur Zeit die wildesten Partys gefeiert?

ID: Katerblau in Berlin, keine Frage!

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Die nächsten Libertine Release Parties mit Ida Daugaard:

  • Berlin, 19. Mai im Farbfernseher
  • München, 21. Mai im Harry Klein
  • Köln, Juli im Jack Who (Datum folgt)
  • Hamburg, Juli/August (Infos folgen)

INTERVIEW Juliane Rump FOTO PR

 

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