KAPITEL
TGK 11

„The Girl King“: Die Leidenschaften der Seele

Königin Kristina von Schweden war keine gewöhnliche Monarchin: Mit 6 Jahren gekrönt und „männlich erzogen“ lernte sie Fechten und Reiten, las emanzipatorische Philosophie, weigerte sich, zu heiraten – stattdessen liebte sie ihre Kammerzofe und verehrte Descartes. „The Girl King“ porträtiert die schwedische Königin als eine zerrissene Frau, die trotz all der Einschränkungen ihrer Zeit nicht bereit ist, sich mit Kompromissen zu begnügen. Ab heute ist die DVD im Handel.

Der Film beginnt im Jahr 1632 mit dem Tod ihres Vaters und Kristinas früher Kindheit unter Einfluss der wahnsinnigen Mutter, die vom toten König besessen ist und für ihr Kind scheinbar keine Liebe empfindet. Kristina wird schließlich von der Mutter getrennt und vom Reichskanzler groß gezogen, der sie im Sinne des Vaters wie einen Kronprinzen erzieht. Als sie mit 18 Jahren den Thron besteigt, ist sie eine selbstbewusste Herrscherin geworden: Sie weiß, was sie will. Das ist einerseits der Frieden in Schweden, denn: Nur im Frieden kann sie ihrem Land den Zugang zu Bildung und Kultur ermöglichen. Andererseits sträubt sie sich vehement, zu heiraten und ihre Macht dadurch einzuschränken – stattdessen verliebt sie sich blitzartig in die junge Ebba Sparre und macht sie zu ihrer Kammerzofe. Die Beziehung sorgt in ganz Schweden für Furore, doch Kristina bleibt standhaft: Fast bis zum Zusammenbruch. Ihr Drang nach Erkenntnis und ihre Liebe zu Philosophie und Kunst führt zu einem regen Briefaustausch mit René Descartes, den sie schließlich auch in den schwedischen Hof einlädt – gegen den Willen ihrer Berater, die die lutheranische Tradition Schwedens und damit das politische Gleichgewicht in Gefahr sehen. Schließlich steht Kristina vor einer wichtigen Entscheidung: Bleibt sie in Schweden und gibt dem Drängen nach Heirat nach – oder nimmt sie ein Angebot an, das ihr Freiheit geben, aber die Krone kosten wird?

Die Figur der Königin Kristina von Schweden war schon Vorlage für viele Verfilmungen – der erste übrigens schon 1933 mit Greta Garbo. In dieser Historienverfilmung des finnischen Regisseurs Mika Kaurismäki wird die schwedische Königin als eine The-Girl-Kingzerrissene und entschlossene Frau dargestellt, die sich von ihrem streng religiösen Umfeld in ihrer Suche nach Erkenntnis nicht beirren lässt und sogar einen Pakt mit dem Teufel nicht scheut. Sie ist leidenschaftlich und impulsiv, aber auch bestimmt und entschlossen. Die Hauptdarstellerin Malin Buska verleiht der Figur Tiefe und eine gelungene, dunkle Aura. Der Film orientiert sich vor allem an den vielen Legenden, die sich um die Figur der Kristina ranken – beispielsweise ihre Beziehung mit Ebba Sparre, die zwar immer vermutet, aber nie bestätigt wurde, der Wahnsinn der Mutter und der mögliche Mord Descartes am schwedischen Hof. Die politischen Umstände ihrer zehnjährigen Regierungszeit bilden nur den Hintergrund – im Fokus steht der Kampf einer Frau um das Recht, ihre Individualität ausleben zu können. Es wird klar: Selbst als mächtigste Person des ganzen Königreiches muss sie ihr Leben lang dafür kämpfen, zu sein, wie sie ist.

Historienfilme sind auf ein gewisses Maß an Interpretation angewiesen. „The Girl King“ spinnt eine Geschichte rund um die Skandale, die aus dem Leben der Kristina von Schweden überliefert wurden und dichtet auch einiges hinzu: Das hat mit historischen Fakten wenig zu tun, zeichnet aber ein umso interessanteres Bild von dem Versuch der weiblichen Emanzipation in einer Zeit, in der Kriege und strenges Christentum Europa kennzeichneten.

Wir verloren 3 x die DVD zum Film! Einfach bis zum 16. März eine E-Mail mit dem Betreff „The Girl King“ an gewinnspiel@libertine-mag.com schicken.

Text: Johanna Warda
Bild: NFP

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