KAPITEL
UNwomen

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frau*en

Das eigene Zuhause sollte ein sicherer Ort für Frauen sein. Viel zu häufig ist das Gegenteil der Fall. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner getötet. Noch mehr Frauen erfahren andere Formen von Gewalt.

Würden so viele Menschen regelmäßig durch eine andere Todesursache sterben, gäbe es sicher großangelegte Kampagnen. Im Fall von männlicher Gewalt an Frauen nicht. Aber zum Glück tut sich langsam etwas. Dem unermüdlichen Einsatz von Aktivist*innen und Organisationen sowie Kampagnen wie #metoo sei Dank. Oder eben #JedenDrittenTag. Diese Kampagne des UN Women Nationalen Komitees Deutschland e.V. zeigt fünf unterschiedliche Frau*en. Sie geben dem Slogan #JedenDrittenTag ein Gesicht. Besonders wird deutlich, dass jede Frau Opfer von Partnerschaftsgewalt werden kann. Hier gibt es eben nicht nur den einen Typ Frau*.

Es kann jede treffen: Das ist die Kernaussage des #JedenDrittenTag Videos. Seit dem 14. November läuft daher die Kampagne in Bonner und Berliner U-Bahnhöfen. Orte, an denen sich Opfer und Täter aufhalten. Die Kampagne des UN Women Nationalen Komitees Deutschland e.V. will wachrütteln. Anlass ist der 25. November, der internationale Tag gegen Gewalt an Frau*en. Auch in Deutschland muss darüber gesprochen werden. Denn jede getötete Frau* ist eine zu viel. Keine Ausrede rechtfertig diese Zahl. Keine Ausrede rechtfertigt Gewalt an Frau*en.

Es kann jede treffen. Trotzdem ist es immer noch ein Tabuthema. Sprechen wir tatsächlich mit unseren Freund*innen über unsere Gewalterfahrungen? Eher nicht, wir schweigen. Auch ich brachte es nicht über die Lippen von meinen Erlebnissen zu erzählen. Ich schwieg. Für mich war Partnerschaft und Gewalt auf den ersten Blick gegensätzlich. Partnerschaft steht für Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen. Hingegen ist Gewalt mit Gefahr, Respektlosigkeit und Erniedrigung verbunden. In Liebesbeziehungen sollte es keinen Platz für Gewalt geben. Die Zahlen des BKA’s sprechen eine andere Sprache: 130 getötete Frau*en in 2015.

Obwohl es jede treffen kann, gibt es Unterschiede. Eine farbige Frau*, Mitte 40 und aus der Mittelschicht erfährt eine andere Art von Gewalt als eine zwanzigjährige weiße Frau* mit körperlicher Behinderung. Doch der kleinste gemeinsame Nenner ist und bleibt die Gewalt an Frau*en. Auch Männer sind Opfer von Gewalt. Dies darf nicht verschwiegen werden. Fakt ist jedoch, dass der Anteil überproportional gering ist. Bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind beispielsweise fast 90% der Opfer Frau*en. Drohungen per WhatsApp waren auch für mich kein Einzelfall. „Ich möchte dir ins Gesicht spucken,“ war eine davon. Beleidigungen in den sozialen Netzwerken, Kontrollanrufe, Stalking stehen im direkten Zusammenhang mit physischer Gewalt. Dies muss endlich von den staatlichen Einrichtungen erkannt werden. Auch über die lange Liste der unterschiedlichsten Formen von Gewalt muss gesprochen werden, im Privaten wie auch in der Öffentlichkeit.

Es kann jede treffen und deshalb betrifft es jede und jeden. Bei Kampagnen wie #JedenDrittenTag, #metoo etc. sitzt der Schock in der Bevölkerung tief. Die Verwunderung in den Medien ist groß. Aber: Ein Umdenken findet jetzt langsam statt. Frau*en in Deutschland erleben Gewalt. Das ist dank der Kampagne kein Geheimnis mehr. Jetzt müssen Taten folgen.

Text: Miriam Mona Müller Bild und Video: UN Women

Quellen:
Bundeskriminalamt (2015). Partnerschaftsgewalt – Kriminalstatistische Auswertung – Berichtsjahr 2015. (Letzter Zugriff: 22.11.2017).

Bundeskriminalamt (20157). Partnerschaftsgewalt – Kriminalstatistische Auswertung – Berichtsjahr 2016. (Letzter Zugriff: 24.11.2017).

Deutscher Frauenrat (2017). Beschluss zu Digitale Gewalt gegen Frauen stärker ahnden. (Stand: 25. Juni 2017).

Frauen Gegen Gewalt e.V., Infothek. (Letzter Zugriff: 22.11.2017).

#Keinemehr (Letzter Zugriff: 22.11.2017).

Schröder, C. (2017).Von Psychoterror bis Vergewaltigung – Wenn Männer Opfer häuslicher Gewalt werden. (Stand: 30.10.2017).

UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. (2017). #JedenDrittenTag Kampagne. (Stand: 14. November 2017).

 

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